Die meisten Menschen kennen den Placebo-Effekt. Dieser beschreibt therapeutische Scheininterventionen (z.B. Verschreibung von Scheinarzneimitteln) welche in statistisch auffälligen Häufungen zu messbaren Verbesserungen bei Patienten führen, obwohl bei Einnahme der verordneten Schein-Arzneien eine pharmakologische Wirkung stofflich nicht möglich ist, da keine arzneilichen Wirkstoffe enthaltenen sind.

Psychologisch wird dieses Phänomen dadurch erklärt, dass der Patient in den Fällen, in denen es zu einem Placebo-Effekt kommt, der Behandlung symbolisch eine große Heilungserwartung  zuordnet.

Somit kann man grundlegend davon ausgehen, dass die Vorstellungskraft eines Menschen und der psychosoziale Aspekt zwischen Behandler und Patient im Bereich Therapie und Heilung direkten Einfluss auf körperliche Prozesse hat.

Dies wirkt allerdings auch in entgegengesetzter Richtung und dies wird als Nocebo-Effekt bezeichnet. Er basiert (wie auch der Placebo-Effekt) auf der bewussten sowie unbewussten Überzeugung des Patienten, dass eine Handlung oder ein Medikament sich schädlich auf seine Gesundheit auswirkt. Für Menschen mit hoher Suggestibilität (Empfänglichkeit für Suggestionen) gelten diese Phänomene in besonderer Weise.

Die die heilende oder krank machende Erwartung

Die Placebo-Effekte sind bisher wesentlich besser untersucht als die Nocebo-Phänomene, da die Pharmaindustrie speziell das Thema Placebo bei den Wirksamkeitsstudien ihrer Präparate berücksichtigt. Für die Erklärung der Wirkweisen bei beiden Formen werden die Aspekte „Erwartungshaltung“ und „Konditionierung“ genannt.

Bei der Behandlung von Menschen ist somit immer zu berücksichtigen, dass die Psyche einen Therapieerfolg verhindern oder auch unterstützen kann. Speziell in der Psychotherapie sollte diese Erkenntnis besondere Beachtung finden. Jeder Therapeut sollte sich daher seiner Aussagen, die er an den Patienten richtet – speziell unter dem Aspekt des Placebo- / Nocebo-Effekts – bewusst sein.

Schon im Rahmen des therapeutischen Beziehungsangebots sollte dies zu Beginn jeder Intervention entsprechend Berücksichtigung finden.

Eine Ressourcenanalyse (persönliche Stärken und positive Aspekte) hilft dabei, festzustellen, welche motivationale Bereitschaft und persönliche Ressourcen der Patient  mitbringt. Wichtig ist, dass der Patienten in jeder Therapiesitzung möglichst viele positive Erfahrungen hinsichtlich einer Lösung / Heilung machen kann. Weitere Informationen zum Thema unter Erkenntnisse der Neuropsychotherapie .