Der Begriff Abhängigkeit ist gleichbedeutend mit Sucht. Generell wird zwischen körperlicher von psychischer Sucht unterschieden.

Körperliche Abhängigkeit äußert sich vor allem in der Toleranzentwicklung ( führt zur Dosissteigerung), dem fortgesetzten Konsum trotz körperlicher Erkrankungen und den körperlichen Entszugserscheiningen. Psychische Abhängigkeit, in dem starken Verlagen (Craving), dem Kontrollverlust (über Menge, Beginn und Ende des Konsums), der starken Vernachlässigung anderer (früherer) Interessen, Einengung des Verhaltens.

Eine weitere Unterscheidung im Bereich der Suchterkrankungen erfolgt durch die Trennung in stoffgebundene (z.B. Alkohol) und nicht stoffgebundene (z.B. Spielsucht) Süchte.

Mit der ICD 10 ist Abhängigkeit gegeben, wenn drei oder mehr von sechs der folgenden Kriterien erfüllt sind:

1.    Starker Wunsch oder Zwang, Substanz oder Alkohol zu konsumieren (Craving)
2.    Verminderte Kontrollfähigkeit bezüglich Beginn, Ende und Menge des Konsums
3.    Ein körperliches Entzugssyndrom
4.    Toleranzentwicklung
5.    Fortschreitende Vernachlässigung anderer Interessen zugunsten des Konsums
6.    Substanzkonsum trotz schädlicher Folgen
7.    (in deutscher Literatur of ergänzt: eingeengtes Verhaltensmuster, unübliches Trinken)

Epidemiologie / Häufigkeit

•    Die Wahrscheinlichkeit, an Sucht zu erkranken (life risk, Lebenszeit-Prävalenz) liegt zwischen 5%und 7%
•    Ca. 5% der Bevölkerung (BRD), ca. 3 Millionen Menschen, sind alkoholabhängig, ca. 1 Million medikamentenabhängig (ca. 1,5%) und ca. 0,5%, d.h. ca. 300.000 drogenabhängig.
•    Faustformel: 70% der Süchtigen sind alkohol-, 5% drogen-, und 23% medikamentenabhängig

Ätiologie / Ursache: Mehrere Faktoren (multifaktoriell) werden einer Suchtentwicklung zugeschrieben:

•    Genetisch: In Zwillings- und Familienstudien wurde eine verwandtschaftliche Häufigkeit festegestellt: Als Faustformel kann gelten: 60% Erkrankungswahrscheinlichkeit bei der Erkrankung eineiiger Zwillinge, 20% bei zweieiigen Zwillingen.

•    Psychisch: Personen mit hohem Anspruchniveau und Geltungsbedürfnis oder mit Kontaktschwierigkeiten und sozialer Unsicherheit sind eher suchtgefährdet. Psychodynamische Enstehung von Sucht: In Konfliktsituationen kommt es zur Regression auf die kindliche orale Entwicklungsstufe mit oft starker Mutterbindung sowie konfliktreicher Autonomiebildung und wenig Toleranz gegenüber Frustration. Lerntheoretische Enstehung von Sucht : Durch die Erfahrung  vorgemacht evtl. schon seitens der Eltern  des angenehmen Empfindens von Spannungsabbau, Angstreduktion und Kon-takterleichterung wird das Suchtverhalten erlernt.

•    Sozial: Die meisten Suchtmittel sind ständig bzw. gut verfügbar und gehören teilweise zu sozialen Standards; oft zeigen sich im Suchtverhalten auch familiäre Muster.

Die Symptome der verschiedenen Abhängigkeitsformen unterscheiden sich zum Teil deutlich und werden getrennt behandelt nach Alkohol-, Drogen- und Medikamentabhängigkeit oder genauer nach Prägnanztypen von Abhängigkeit

•    Morphintyp  
•    Kokaintyp
•    Barbiturat-Alkoholtyp  
•    Cannabistyp
•    Amphetamintyp 
•    Khattyp
•    Halluzinogentyp   

Entwicklung von Abhängigkeit

•    Missbrauch/Abusus: schädlicher Gebrauch von Substanzen ohne körperliche Ent-zugssymptome. Physische, psychische und soziale Beeinträchtigungen sind gegeben

•    Toleranz: Beschleunigter enzymatischer Abbau eines Stoffes über die Leberzellen. Durch die Toleranzentwicklung ist eine Dosissteigerung nötig, um die gleiche Wirkung zu erzeugen.

•    Intoxikation: (Vergiftung) meist mit Kreislauf- und Temperaturabfall, Krämpfe, Atemdepression, z.T. Bewusstlosigkeit

•    Polytoxikomanie: Mehrfachabhängigkeit

Therapie

Die Therapie ist auf die jeweilige Form der Abhängigkeit abgestellt; immer geht es dabei um

•    guten Kontakt / Kontaktaufnahme / Motivation
•    Entzug / Entgiftung, oft begleitet von Übelkeit, Durchfall, Angst, Schwitzen Muskel-krämpfen, Blutdruckanstieg u.a.
•    Entwöhnung       
•    Nachsorge / Rehabilitation