Bei der Diagnoseerstellung werden die psychischen Störungen, die auf Krankheitsbilder verweisen zunächst zu typischen Gruppen (Syndromebene) zusammengefasst. Damit wird dem Umstand Rechnung getragen, dass eine psychische Störung häufig verschiedene Ursachen haben kann (multifaktoriell) und oftmals nur schwierig sogleich einer Krankheit zugeordnet werden kann (nosologische Zuordnung).

Besonders aus pharmakologischer Sicht ist die syndromale Erfassung von Interesse, da Psychopharmaka ja lediglich bestimmt Zielsymptome und keine Krankheiten beeinflussen. Dies hat zu einer Erweiterung des Indikationsspektrums verschiedener Psycho-pharmakagruppen geführt: so zeigen z. B. Antidepressiva gute Wirksamkeit auch bei bestimmten Angsterkrankungen (Phobie, Panik), bei Zwangssyndromem oder bei Bulimie.

Das Erfassen eines vorliegenden Syndroms anhand der spontanen Mitteilung eines Patienten darf nicht dazu verleiten, das Eruieren sonstiger Symptome zu unterlassen, da ansonsten möglicherweise andere krankheitsrelevante Symptome übersehen werden.

1.    Depressives Syndrom
Im Vorderund stehen eine traurig gedrückte Stimmungslage bis hin zur Unfähigkeit Gefühle zu empfinden, Mangel an Interesse, Freudlosigkeit, vegetative Störungen (Appetit, Schlaf, Libido), Denkhemmung, Grübeln, Antriebsstörungen, körperliche Missempfindungen und Suizidalität.

2.    Manisches Syndrom
Leitsymptome sind eine euphorische oder dysphorisch-gereizte Stimmungslage, Antriebssteigung, gehobenes Selbstwertgefühl, vermehrte Geldausgabe, Größenideen,  reduziertes Schlafbedürfnis, Umtriebigkeit, Enthemmung, Rededrang und Ideenflucht.

3.    Paranoid-halluzinatorisches Syndrom

Zu diesem Syndrom gehören Wahnideen, Halluzinationen, Gedankenausbreitung, -entzug oder –eingebung.

4.    Katatones Syndrom
Am wichtigsten sind motorische Symptome wie Stupor oder Erregung, Bewegungs- und Haltungsstereotypien, Echolalie, Echopraxie, Manierismen.

5.    Hypochondrisches Syndrom
Leitsymptome sind eine ausgeprägte Sorge um den eigenen Körper und seine Funktionsabläufe, starke Selbstbeobachtung und Krankheitsbefürchtungen, eine ängstlich-jammrige Stimmungslage.

6.    Angstsyndrom
Zu diesem gehören in erster Linie diffuse oder situationsbezogenen Ängste verbunden mit vegetativen Symptomen (z. B. Herzrasen, Zittern, Schwindel).

7.    Zwangssyndrom
Leitsymptome sind ständig wiederholte, als sinnlos und quälend empfundene Gedanken und/oder Handlungen.

8.    Hirnorganisches Syndrom
Im Vordergrund steht zu Beginn der Erkrankung die Einschränkung kognitiver Funktionen mit Reduzierung der Denkleistung, des Gedächtnisses, der Aufmerksamkeit und Konzentration sowie Orientierungsstörungen.

9.    Delirantes Syndrom
Zu diesem Syndrom gehören Orientierungsstörungen, motorische Unruhe, vegetative Entgleisungen (Schwitzen, Tremor, Tachykardie), optische, taktile und szenische Halluzinationen, Nesteln und Verwirrtheit.

10.    Konversionssyndrom
Im Vordergrund stehen hier funktionelle motorische Störungen (Lähmungen) oder sensorisch/sensible Ausfälle (psychogene Blindheit, Anästhesie, Schmerzen), die zumeist demonstrativ-appellativ dargeboten werden, symbolische Bedeutung haben und mit sekundärem Krankheitsgewinn einhergehen.